Wundspüllösungen vs. Wundantiseptika

Eine adäquate Wundreinigung ist für eine optimale Wundheilung und -beobachtung unerlässlich. Nur eine sorgfältig gereinigte Wunde kann eine gute Versorgungsqualität herstellen. (Protz, S. 27)

Wann ist es ein Antiseptika und wann eine Wundspüllösung?

Spüllösungen unterstützen das mechanische Debridement und können mit antimikrobiellen Substanzen konserviert sein. Sie werden als Medizinprodukt vertrieben. Sie sind entweder konserviert oder unkonserviert. Wundantiseptika dagegen dienen zur Abtötung von Bakterien. 

Welche Anforderungen an eine Wundspüllösung gibt es?

Sie sollte steril, physiologisch, farblos, reizlos, erwärmbar, atraumatisch sein, und sollten keine resorbierbaren Inhaltsstoffe enthalten.

Praktische Tipps zum Erwärmen: Handwärme, Flaschenwärmer

Unkonservierte Wundspüllösungen

Unkonservierte Lösungen müssen direkt nach Anbruch entsorgt werden.
Ringerlösung und NaCl-0,9%- Lösung erfüllen die Anforderungen an eine Wundspüllösung optimal. Ist eine Wunde entzündet, sollte man auf andere Alternativen zurückgreifen (s. Wundantiseptika).  Bei längerer Anwendung kann es bei der NaCl-0,9%-Lösung zu Elektrolytverschiebungen kommen, hier sollte
dann eher auf Ringerlösung zurückgegriffen werden.
Praktische Tipps: 20ml Ampullen statt Literflaschen

Konservierte Wundspüllösungen

Um eine Wundspüllösung länger haltbar zu machen, werden antiseptische „Zusätze“ in die Spüllösung gegeben. In diesem Fall handelt es sich dann um Medizinprodukte und nicht um Antiseptika.
Ist eine Wunde infiziert, sollte auf Antiseptika zurückgegriffen werden.
Der Zeitraum, in dem eine angebrochene Wundspüllösung aufzubrauchen ist, variiert je nach Produkt von 1,5- bis 3 Monate. Voraussetzung ist hier eine hygienisch einwandfreie Entnahme.
Praktische Tipps: Packungsbeilage beachten!
Prontosan: Wirkstoff Polyhexanid, Einwirkzeit 15-20 Minuten, 8 Wochen nach Anbruch verwendbar
Granudacyn: Wirkstoff hypochlorige Säure (HOCl), Einwirkzeit 60 Sekunden, 60 Tage nach Anbruch verwendbar

Wundantiseptika

Wundantiseptika dienen zur Abtötung von Bakterien und werden als Arzneimittel vertrieben. Sie sind nicht zur Daueranwendung bestimmt. Wenn nach 14 Tagen keine Besserung eintritt, sollte die Therapie angepasst werden. Grundsätzlich steht der pharmakologische Effekt hier im Vordergrund. Wichtig ist, sich nach der Einwirkzeit des Herstellers zu richten. Wundantiseptika finden Anwendung bei infizierten Wunden, können aber auch zur Prophylaxe von infektgefährdeten Wunden eingesetzt werden (Protz, S. 29).

Wie wirken Antiseptika?

Wirkung kann bakteriostatisch/ bakterizid (Bakterien hemmend/Bakterien abtötend), viruzid/virostatisch (Viren abtötend/Viren hemmend) oder fungizid bzw. fungistatisch wirken (Pilze abtötend/hemmende Wirkung gegen Pilze) (Protz, S. 29).
Antiseptika wirken gegen ein umfassendes Keimspektrum, haben eine lange Wirkdauer (Remanenz), -keine Eiweißfehler, -keine Resistenzbildung, sind farblos und nicht toxisch. Antiseptika wirken nicht wundheilungshemmend, verursachen keine Schmerzen, und sind körperwarm anwendbar. Wundantiseptika dienen zur Abtötung von Bakterien und werden als Arzneimittel vertrieben. Sie sind nicht zur Daueranwendung bestimmt. 

Hinweis für die Praxis: Wenn nach 14 Tagen Anwendung keine Besserung eintritt, sollte die Therapie angepasst werden. 

Grundsätzlich steht der pharmakologische Effekt hier im Vordergrund. Wichtig ist, sich nach der Einwirkzeit des Herstellers zu richten. Wundantiseptika finden Anwendung bei infizierten Wunden, können aber auch zur Prophylaxe von infektgefährdeten Wunden eingesetzt werden (Protz, S. 29). Ausserdem wirken sie nicht allergisierend. Sie sind nicht zur Dauerbehandlung geeignet, sondern nur so lange die Risiken bestehen. Hersteller geben hier einen Anwendungszeitraum von 14 Tagen an.
Octenisept: Wirkstoff Octenidin, Einwirkzeit 1-2 Minuten, 3 Jahre nach Anbruch verwendbar
Serasept: Wirkstoff Polihexanid, Einwirkzeit 10-20 Minuten, 8 Wochen nach Anbruch verwendbar

Kann man auch Leitungswasser zur Wundreinigung benutzen?

Durch alte Leitungsnetze und verkalkte Armaturen muss besonders im häuslichen Bereich mit höheren Keimzahlen gerechnet werden, als die Trinkwasserverordnung zulässt. Zudem sollte entweder nur sterile Flüssigkeit oder konservierte Flüssigkeit auf eine chronische Wunde. 

Tipp für die Praxis: Um eine Besiedelung mit dem z.B. Pseudomonas aeruginosa Keim weitestgehend zu verhindern, sollte ausschliesslich auf sterilisiertes Leitungswasser zurückgegriffen werden. Dies wird durch Sterilfilter gewährleistet. (Dissemond, S. 230) 

Quellen:

Dissemond, J., Kröger, K.: Chronische Wunden, 2. Auflage, Elsevier

Protz, K.:  Moderne Wundversorgung, 10. Auflage, Elsevier